Hildegard von Bingen
Ihr Leben
Hildegard wurde als zehntes Kind des Edelfreien Hildebertus und seiner Frau Mechthild im Jahr 1098 Bermersheim (Rheinhessen) geboren. Bereits als Kind hatte sie Erscheinungen, die nur sie wahrnehmen konnte. Als Halbwüchsige kam sie in die Obhut einer älteren Verwandten, die einem Benediktinerkloster vorstand. Hildegard wurde für das klösterliche Leben erzogen, in Schreiben, Lesen, Musik, Bibelkunde und Sprachen unterrichtet und trat in den Orden ein. Als die Vorsteherin starb, wurde Hildegard mit 38 Jahren Äbtissin. Später gründete sie ein weiteres Frauenkloster.
Sie war jedoch nicht nur Nonnen sondern auch Seherin, Prophetin und Mystikerin. Mittels „innerer Schau“, die sie von Gott empfangen hat – wie sie es selbst beschreibt – durfte sie die Zusammenhänge der gesamten Schöpfung sehen. So auch, dass das echte Heil- und Gesund sein eine gesunde Beziehung zwischen Mensch und Natur, ein harmonisches Zusammenwirken von Körper, Geist und Seele und die Rückbindung an Gott als Ursprung des Lebens bedingt. Heilung heißt also Wiederherstellung des Menschen, wie Gott ihn gemeint hat.
Beeindruckende Heilerfolge
Krankenpflege zählt zu den Aufgaben der Benediktinerinnen. Hildegard beschäftigte sich intensiv mit der Medizin, vielleicht, so vermuten Hildegard-Kenner, weil sie selber krank war und unter starken chronischen Schmerzen litt. Man vermutet, dass sie Rheuma hatte.
Wegen ihrer Heilerfolge suchten Kranke aus ganz Europa Hildegards Hilfe. Die Essenz ihrer Erfahrungen, Forschungen, aber vor allem auch die Erkenntnisse, die sie in ihren Visionen von Gott erhielt, legte sie in zahlreichen Büchern und Schriften nieder. Hildegard von Bingen glaubte: „In der Natur sind starke Heilkräfte verborgen, die kein Mensch wissen kann, wenn sie einem nicht von Gott selbst offenbart werden.“ Dabei sah sie sich immer nur als Vermittlerin der Botschaften, die Gott durch sie den Menschen schenkte. Diese Visionen legte Hildegard von Bingen in drei Büchern nieder Besonders bekannt machte sie ihre neunbändige „Physika“ (Naturkunde) und „Causae et curea“ (Heilkunde).
Wissen über den Kosmos
Nebenbei verfasste die gebildete Frau, die mit zahlreichen Äbten, dem Papst und Kaiser Barbarossa lebhaft korrespondierte, auch 77 Lieder und ein Singspiel. In ihrem letzten Buch beschreibt sie den quantenphysikalischen Zusammenhang von Energie und Materie und berichtet 300 Jahre vor Galileo Galilei, dass sich die Erde um die Sonne dreht.
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