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Samstag, 23 September 2017 17:02

Die Sage der Urle Lack und heilige Bäume in Reinswald im Sarntal

Weit hinter den höchsten Höfen von Reinswald, wo es schon fast „gleimer“ (näher) zum Himmel hinauf als wie ins Tal hinunter ist, beginnt der gache (steile) Weg ins Getrumm, in eine Almlandschaft, so schön und einsam, wie sie der Herrgott in seiner Güte und Allmächtigkeit nur den Sarnern erschaffen und schenken konnte.

Es war an einem schönen Frühsommertag nach einer gewittrigen Nacht, als ich mit dem alten Grienbachvater über samtene Lärchböden und blühende Bergwiesen zum einsamen Joch empor stieg. Tief im Talgrund toste noch der übermütige junge Bach. Wir redeten von Wetter und von Wasserschäden, von den Berggewalten und von Menschenwerk und auch von alten Zeiten, da erzählte mir mein Begleiter wegwärts Folgendes:

Es ist wohl schon lange her – es gab noch keine fremden Mändler im Land und keine Landsässigen, die um wenig Arbeit und um viel Geld Feilscherdienste taten zwischen Händler und Bauer – da stand hier der Millwald mit seinen uralten Bäumen und seinem tief im tiefsten Wald verborgen liegenden See, den unsere Leute jetzt noch „Urle Lack“ nennen.

Früher, als der alte Weg aus dem Eisacktal ins Sarntal und über die Villanderer Alm führte und stark begangen war, ist es halt auch vorgekommen, dass im tiefen Winter so mancher am hohen Joche nicht mehr weiter fand und im hohen Schnee sein Leben lassen mußte. War’s ein Villanderer oder ein Sarner, so trug man ihn wohl auf seinen heimatlichen Freithof und grub ihm dort ein Grab, war es aber ein fremder Unbekannter, so zog man ihn bis zur Urle Lack und warf ihn kurzerhand in das stille, verschwiegenen Wasser.

In kalten mondlosen Winternächten wandeln klagend die Armen Seelen der Verunglückten zu mitternächtlichen Stunde durch den Wald. Die alten Jungfrauen aus dem Reinswalder Dorfe, die es im Leben viel zu fein gehabt haben, sind auch in die Urle Lack gebannt. Nicht besser ging es den jungen, die als Recherinnen bei der Heumahd in den Bergwiesen und auf dem Stadleregg, wo es mitunter „fackisch“ hergegangen sein soll, drauf gegangen sind. Sie wurden über die Schröffen herunter gezogen und fanden bei der Urle Lack ihr nasses Grab. Die Porzen (Höcker) worunter die Verbannten begraben liegen, sind sie heute noch zu sehen und es sind deren nicht wenige.

Vor achtzig Jahren wurden etliche der riesigen Lärchenbäume, die wohl seit unvordenklichen Zeiten die Urle Lack umstanden, gefällt. Beim Aufarbeiten dieser Bäume fand man die knorrigen Stämme in Mannshöhe angebohrt. Die Bohrlöcher waren mit Zähnen, kleinen Münzen, messingen Pfennigen und Lehmkügelchen gefüllt und mit alten Holzzapfen verschlagen, zum Teil auch verwachsen und wie mir mein Begleiter versicherte, sollen es der Überlieferung nach heilige Bäume gewesen sein, wie es im Sarntal mehrere gab.

Wandertipp: Erlebniswanderung am Urlesteig zur Urle Lack nach Reinswald

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