Wer ein spektakuläres Nachtleben sucht, sollte unbedingt nach Steinegg kommen – aber nicht wegen der dortigen Tanzflächen, sondern vielmehr aufgrund des Spektakels hoch über den Berggipfeln: dem hell erleuchteten Sternenhimmel!

„Steinegg und seine Nachbarsfraktion Gummer bilden das erste Sternendorf Europas!“, freut sich David Gruber, Astrophysiker, Leiter des Planetariums und Direktor des Naturmuseums Südtirol. Das Prädikat „Sternendorf“ verdanken Steinegg und Gummer aber nicht nur einem der schönsten Himmel über Italien, sie haben es sich vor allem durch ihr reichhaltiges Angebot an hochwertigen astronomischen Einrichtungen verdient – inklusive kultureller und didaktischer Angebote für Einheimische und Gäste. So finden sich eine Sternwarte, ein Sonnenobservatorium und ein Planetenweg in kürzester Distanz zueinander und Vollmondevents sowie geführte Beobachtungen des Nachthimmels über dem Bozner Hochplateau runden das Angebot ab. Das Herzstück der Sternendörfer ist allerdings das Planetarium in Gummer.

David, dessen Leiter, ist selbst ein Planet – zumindest in der ursprünglichen Bedeutung des Wortes. Denn, so lernt man gleich zu Beginn der Vorführung zum Sternenhimmel über Südtirol, der Begriff Planet kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie „Wanderer“. Auch David wandert und das fast täglich, nämlich von Bozen, seiner Heimatstadt, bis hinauf nach Gummer und Steinegg, wohin ihn seine Faszination für die Sterne bringt.

„Eigentlich ist meine Liebe zu den Sternen keine Konstante, der Weg dorthin war äußerst holprig“, erzählt David. Zwar hat er bereits als Kind ein Teleskop zu Weihnachten geschenkt bekommen, doch wurde seine anfängliche Euphorie durch das beiliegende Buch jäh im Keim erstickt. Dieses war nämlich viel zu komplex für den kleinen Jungen und so verstaubten Buch und Teleskop irgendwo in der Ecke. Erst als er Jahre später den Studienführer der Universität Wien durchblätterte und Astronomie als Studienfach entdeckte – er wusste zunächst gar nicht, dass man das überhaupt studieren kann – besann er sich wieder seines alten Teleskops und entschied sich kurzerhand für das Fach Astronomie!

Jenes Kindheitserlebnis scheint David nachhaltig geprägt zu haben, denn heute versucht er die komplexen Zusammenhänge der Astronomie für jedermann verständlich und greifbar zu machen. Dies gelingt ihm z.B. über die Sidewalk Astronomy, einer kostenlosen Veranstaltung im freien Raum, bei welcher der Astrophysiker einfach zwei kleine Teleskope im urbanen Raum aufstellt und allen die Möglichkeit gibt, die Sterne mit eigenen Augen zu sehen und gleichzeitig etwas über sie zu lernen. „Ich sehe mich in der Schnittstelle zwischen der Wissenschaft und den Menschen da draußen, die eigentlich nichts damit zu tun haben. Ich habe eine gewisse Bringschuld, denn der Großteil der Forschung ist ja öffentlich finanziert“, konstatiert David.

Er versteht es auch bestens seine eigene Faszination auf andere zu übertragen und erreicht das nicht zuletzt über fesselnde Beispiele und Feststellungen. So erklärt er z.B., dass die Atome aus unserer linken Hand sehr wahrscheinlich von einem anderen Stern kommen, als jene von unserer rechten. Denn die Elemente aus denen wir zusammengebaut sind, sind im Grunde nichts anderes als Asche explodierter Sterne, aus der sich Sonne, Erde und irgendwann auch das Leben entwickelt haben. „Wir Menschen bestehen aus Sternenstaub und sind mit dem Universum unweigerlich verbunden.“

Was nach einer romantischen Metapher klingt, ist tatsächlich Wissenschaft und genau das versucht David zu vermitteln. Die Schönheit des Kosmos liegt nämlich zwischen dem faktischen Wissen und dem Traumwandlerischen, dem man sich bei einem Blick in die Sterne fast nicht entziehen kann. Und auch David sagt nach all den Jahren des Sterneguckens: „Ich kriege immer noch Gänsehaut, wenn ich mit dem Teleskop nach oben in die Sterne schaue!“

Und in Südtirol gelingt das eben am besten am nächtlichen Himmel über dem Sternendorf Steinegg und Gummer. 

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