Als Archimedes im alten Griechenland einst in die Badewanne stieg, kam ihm ganz unverhofft die Erkenntnis des heute nach ihm benannten Archimedischen Prinzips. Voller Freude sprang er auf, lief nackt durch Syrakus und rief lauthals: „Heureka!“, was soviel bedeutet wie: „Ich hab‘s gefunden!“ Ob sich ähnliche Szenen auch schon in Steinegg abspielten, ist nicht bekannt; wenn man aber die pfiffige Ideenschmiede von Rosa Lunger kennt, scheint einem das gar nicht mehr so abwegig. Vor allem dann, wenn man weiß, dass Rosa nicht mit mathematischen Formeln arbeitet, sondern Figuren aus einem recht ungewöhnlichen Material formt: Heu!  

Steinegg ist voller liebenswerter Überraschungen und man kann nur staunen, welche Kleinode die fleißigen Steinegger hervorbringen; man muss nur wissen, wo suchen.
Folgt man der Hauptstraße bis an den Ortsrand und biegt dann noch richtig ab, bringt einem der Weg zum Gschloarhof, wo Rosa Lunger seit nunmehr fast 20 Jahren aus Heu, Blumen, Sträuchern, Samen und vielen anderen Materialien wunderbar fantasievolle Figuren bastelt.
Ob Igel, Esel, Hühner, Mäuse, Vögel, Frösche oder gar so mancher Waldwichtel, die herzliche Steineggerin zaubert die fabelhaftesten Wesen aus dem nachhaltigen und wohlduftenden Naturmaterial. Ihre Figuren tragen selbst gestrickte Jacken, genähte Hosen und Schürze, Kochlöffel und andere Utensilien, die ihnen einen ganz eigenen Charme verleihen. Aufgereiht im Hofladen am Gschloarhof kann man sie in all ihrer Pracht bewundern und selbst ein Stück aus Rosas Fantasiewelt mit nach Hause nehmen.

Ihre Leidenschaft für die Natur ist Rosa dabei in die Wiege gelegt worden, denn schon als kleines Mädel hatte sie ihre Schürze immer voller Sträucher, Laub und Tannenzapfen, aus denen sie bereits damals Allerlei bastelte. Und auch wenn ihre Lehrerin ihr ein ausgezeichnetes Talent für das Handwerk attestierte, die Mutter trieb sie mit ihren Waldmitbringsel in die Verzweiflung, erzählt Rosa mit einem großen Lachen im Gesicht.
Der Liebe für die Natur ging sie zuerst jedoch 28 Jahre lang als Bäuerin nach, konnte ihre schöpferische Berufung als Bastlerin aber nicht völlig leugnen: Da sie ohnehin immer am Hof sein musste, sie jedoch einen Ausgleich zur Arbeit dort suchte, besann sich die vierfache Mutter auf ihre Basteleien und begann aus Heu und Draht erste Figuren zu fertigen.

Was als Hobby begann ist nunmehr seit vier Jahren ein fester Bestandteil von Rosas Alltag geworden, umso mehr, da sie den Hof nun an ihren Sohn und dessen Familie weitergegeben hat. 

Das Material für ihre Kreationen findet Rosa einerseits am Acker des Gschloarhofes, wo sie das Heu sammelt und für die Verarbeitung vorbereitet, andererseits in ihrem wundervollen Garten, wo sie Blumen, Sträucher und Bäume anpflanzt, um nachher die Blüten und Samen zu ernten. All das bringt sie dann in ihre kleine, wohlig duftende Heuwerkstatt, wo sie gekonnt und mit schneller Hand das getrocknete Gras zusammenschnürt, klebt und fingerfertig verziert. Dabei schöpft Rosa aus einer schier nie enden wollenden Flut aus Ideen für neue Kreationen; der kreative Fluss versiegt bei Rosa nie denn, so sagt sie heiter, „was ich an Ideen im Kopf habe, das kann ich gar nicht alles umsetzen.“
Zumal sie mit ihren Standardfiguren schon alle Hände voll zu tun hat und ob ihres guten Herzens auch ausgefallenere Kundenwünsche nicht ablehnt. Ihre größte Herausforderung bisher: eine Krippe aus Heu in Lebensgröße!

Nur gut also, dass ihre kleine Werkstatt zugleich auch Rosas Rückzugsort ist, an welchem sie in ihre ganz eigene Welt eintaucht. Wenn sie hier ihre Musik aufdreht, mit der Heuarbeit beginnt und ihren Ideen folgt, ist sie ganz bei sich. So hat Rosa sich mit ihren Figuren ein kleines, eigenes Universum geschaffen und gleichzeitig ein Kundsthandwerk mit einer ganz eigenen Note etabliert, das immer wieder neue Kreationen hervorbringt.
Sollte man in Steinegg also einmal ein herzhaftes „Heu-reka!“ vernehmen, vielleicht ist es Rosa, die sich am Gschloarhof über eine neue Heufigur freut.

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